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Der in der Donnerstagsausgabe der Heimatzeitung nachgeschobene Artikel zur Oberwiesenthaler Gemeinderatsabstimmung über die Zukunft bzw. das Ende der Schwebebahn am Fichtelberg zeigt einmal mehr das politische Elend der Stadt. Zwar ist eine Erhöhung der Transportkapazität für die neu zu errichtende Bahn offenbar nicht nötig, dennoch stimmten Bürgermeister Ernst und die Gemeinderäte von FDP (Karl-Ludwig Taulin, Gabriele Gropp, Siegfried Kuhnt, Uta Bergner, Mirko Trinks) und “Bürger für Wiesenthal” (Ex-Bürgermeister Udo Kaden und Vizebürgermeister Wolfgang Drechsler) dafür, die alte Bahn durch eine Gondelbahn zu ersetzen die bis zu viermal so viele Menschen wie bisher auf den Fichtelberg transportieren kann. Selbstredend war die CDU dagegen und so wird auch in Zukunft an ein einigermaßen einvernehmliches politisches Handeln und Gestalten nicht zu denken sein.

In ihrer heutigen Ausgabe vermeldet die Heimatzeitung das Ergebnis der gestrigen Gemeinderatssitzung in Oberwiesenthal. Demnach wurde durch die Räte von FDP und Freien Wählern mehrheitlich entgegen den Forderungen der CDU-Fraktion, die lieber zunächst ein Gesamtkonzept erarbeitet hätten, beschlossen, die zum Abriss vorgesehene Schwebebahn durch eine Umlaufbahn mit Acht-Personen-Kabinen zu ersetzen. Kosten: etwa 7 Millionen Euro.

Mehr Geld für Drogen!

Thorsten Kleditzsch solidarisiert sich in seinem heutigen Leitartikel auf eigenartige Weise mit den Hartz-IV-Empfängern des Landes und reiht sich damit nahtlos in die lange Reihe der Nörgler und Besserwisser ein, die jeden Schritt des politischen Lebens zu kommentieren wissen. Wie viele andere stellt er „die aus dem Bedarf gestrichenen Ausgaben für Alkohol und Tabak infrage“ und glaubt zu wissen:

Aber es ist realitätsfern, ausgerechnet vom Hartz-IV-Empfänger zu erwarten, auf diese Alltagsdrogen zu verzichten.

Ausgerechnet vom Hartz-IV-Empfänger? Es scheint als habe man in der Redaktion der Heimatzeitung ein klares Bild von ebendiesem. Und die Milchmädchenrechnung geht ja auch zu gut auf: Hartz-IV-Empfänger sind grundsätzlich arme Wesen, die ihren trüben Alltag mit Alkohol und Zigaretten betäuben müssen. Und legt man diese realitätsnahe Einschätzung der Berechnung von Hartz-IV zugrunde, müsste man eigentlich die Beträge dafür drastisch erhöhen. Denn schon jetzt haben es die armen Hartz-IV-Säufer schwer, ihre tägliche Dosis Sternburg und F6 zu finanzieren. Noch schwerer haben es die, die auf illegale Drogen angewiesen sind. Für den Joint nach dem Schnaps hat Vater Staat frevelhafterweise gar nichts eingeplant und weil auch das zur Lebenswirklichkeit vermutlich jedes Hartz-IV-Empfängers gehört, ist kaum zu verstehen, warum Kleditzsch nicht auch dafür Geld von der arbeitenden Bevölkerung einfordert.

Am Fichtelberg geht indes die unendliche Geschichte um den Neubau der Schwebebahn in eine neue Runde. Für morgen ist mal wieder geplant, über die Art und Weise der neuen Bahn zu entscheiden. Ob es wirklich dazu kommt, wird sich in Bälde zeigen.

Kim wer?

Druckfehler tauchen in der Heimatzeitung ja immer mal wieder auf und werden gerne mit Argumenten wie „Zeitdruck“ oder „Redakteure sind auch nur Menschen“ erklärt. Mitunter sind die Fehler aber so auffällig, dass man nicht glauben kann, dass irgendein halbwegs des Lesens mächtiger Verantwortlicher vor der Veröffentlichung noch einmal über die Texte fliegt.

Auf der Seite „Zeitgeschehen“ macht  Jutta Lietsch heute den Versuch, ihre Leser über die Situation in Nordkorea aufzuklären und titelt (bzw. lässt von irgendeinem Freie-Presse-Redakteur titeln):

Geheimnisvolles Parteitreffen in Nordkorea: In der Geschichte der Partei soll „ein bedeutendes Kapitel“ geschrieben werden – Gerüchte sprechen von einem bevorstehenden Aufstieg des Sohnes von Kim Il-sung

Dummerweise ist Kim Il-sungs Nachfolge aber schon seit 1994 geregelt, als dieser starb und dessen Sohn Kim Jong-Il die Staatsführung übernahm. Dieser wiederum ist auf dem Foto zum Artikel zu sehen, das laut Freie Presse „Kim Il-sung im März 2009“ zeigt, was aus Gründen der Pietät glücklicherweise nicht tatsächlich der Fall ist. Zur Ehrenrettung der Heimatzeitung muss gesagt werden, dass immerhin im Artikeltext das Richtige steht, nämlich dass Kim Jong-Il, Sohn von Kim Il-sung, seinen eigenen Sohn Kim Jong-un auf einen exponierten Posten innerhalb der Partei befördern wird.

Geradezu peinlich wirkt der abschließende Satz des Artikels:

So berichtete ein Kader im vertraulichen Gespräch mit der „Freien Presse“ von seinen Erfahrungen: Er habe sehr viele zornige
Landsleute getroffen, die sich über „Ungerechtigkeit und Korruption“ beklagten.

Dem Leser der Heimatzeitung wird suggeriert, dass hier ein jemand höchst konspirativ direkt mit der Freien Presse in Verbindung steht. Dabei ist Jutta Lietsch freie Redakteurin und hat ihren Text auch an andere Zeitungen verkauft. So liest man dann etwa bei der Österreichischen Zeitung “Die Presse“:

So berichtete ein Kader der „Presse“ von seinen Erfahrungen

Und “Der Westen” schreibt:

So berichtete ein Kader dieser Zeitung von seinen Erfahrungen

Und da soll man sich nicht verkohlt vorkommen…

Jetzt meldet sich auch Oberwiesenthals Bürgermeister Mirko Ernst zu Wort, allerdings nur um einmal mehr Probleme zu vertagen. Eine Entscheidung darüber, was anstelle der alten, zum Abriss vorgesehenen Schwebebahn gebaut werden soll, ob denn überhaupt ein Ersatz gebaut werden soll, lässt damit weiter auf sich warten und schürt plötzlich wieder die Hoffnungen darauf, dass das Wahrzeichen Oberwiesenthals doch nicht abgerissen wird. Der Bürgermeister will sich jedenfalls nicht dazu äußern und wirkt derzeit ohnehin wenig souverän.

Nach der Sommerpause melden sich die ersten Protagonisten der Oberwiesenthaler Entscheidungsträgerriege zurück und so hat auch die Heimatzeitung wieder allerhand zu berichten. Am 7. September soll der Stadtrat entscheiden, auf welche Weise die zum Abriss vorgesehene Schwebebahn zu ersetzen sei. Die CDU-Fraktion ist sich einem heute erschienenen Bericht in der Annaberger Lokalausgabe mit Länderschaukel-Chef Lutz Heinrich allerding einig, dass man abwägen sollte, ob ein Ersatzneubau überhaupt Sinn macht, denn es fehle an einem schlüssigen Gesamtkonzept und ohnehin sei zu befürchten, dass eine Kapazitätserhöhung, die für ein wirtschaftliches Betreiben des Ersatzneubaus notwendig ist, sowohl für die (dann überfüllten) Skipisten als auch für die (dann mit weniger Kunden versehenen) anderen Liftbetreiber (zum Beispiel den direkt benachbarten Vierersessellift, dessen Mitgesellschafter bekannter- und interessanterweise ein Sohn von CDU-Stadtrat Ludwig ist) nicht zu verkraften sein wird. Quintessenz der CDU- bzw. Heinrich-Kritik: Ein Nebeneinander eines Ersatzneubaus anstelle der alten Schwebebahn und des Vierersessellifts ist aus wirtschaftlicher Sicht Quatsch. Eine Reaktion der Oberwiesenthaler FDP-Fraktion um Bürgermeister Ernst wird sicher nicht lange auf sich warten lassen.

Von Muße, Musen und Museen

Häufig wird in der Freien Presse reich bebildert von allerlei Gartenunkraut, pardon, selten schön blühenden Blümelein berichtet. Gänzlich unauffällig versorgte die Heimatzeitung in der vergangen Woche seine Leser mit einem ganz besonders feinen Exemplar der gemeinen Stilblüte. Nur ein Buchstabe, und dazu noch ein sehr ähnlich klingender, war es, der die Bedeutung eines kleinen Wortes in eine etwas andere als die gewünschte Richtung Verschob. Vermutlich die mangelnde Fähigkeit des einheimischen Erzgebirgers, das „s“ in allen seinen Facetten auszusprechen, war es, die das Zitat einer Annaberger Rathausmitarbeiterin folgendermaßen erscheinen ließ:

“Wer bei uns ins Museum geht, sollte das mit Muse tun können und danach nicht gleich wieder einen unruhigen Platz betreten müssen”, so Dagmar König.

Löblich, könnte man meinen, dass man in Annaberg so sehr um die persönliche Museumsbesuchermusenbegleitung bemüht ist, doch dann erkennt man schnell, dass wohl nicht der künstlerisch-inspirative Partner des Museumsbesuchers gemeint ist, sondern die schnöde Zeit, die sich letzterer für seinen Abstecher nach Annaberg genommen hat.

Doch nicht nur aussprachetechnisch, auch im Bereich der Fremdsprachen tun sich die heimischen Redakteure mitunter etwas schwer. Am Donnerstag hieß es in der Schwarzenberger Zeitung etwa „Colle Sache für heiße Köpfe“ (das Wort „cool“ lässt sich aber auch schwer einprägen) und im Gesundheitsmagazin „Vitalis“, einer Beilage des sonntäglich erscheinenden „Blick“, der wie die Heimatzeitung im Chemnitzer Verlag und Druck erscheint (und Arbeitgeber für den Schwarzenberger Ritter Georg ist [den man landläufig als Jörg Schale kennt] ist) , kann man heute lesen: „Live Style hat Einfluss auf den Stoffwechsel“. Dass es eigentlich Lifestyle heißt und man sich auch mit der (selbstredend völlig unmodernen) Wendung „Lebensstil“ keinen Zacken aus der Krone (oder dem Ritterhelm) brechen würde, scheint für eine Zeitung, die es nicht einmal fertig bringt, ihren eigenen Namen im (eigentlich immer gleichen) Impressum richtig zu schreiben (dort heißt es heute: „DAS REGIONALE GESUNDHEITSMAGAZIN IM ERZGEBEIRGE“), wohl eher nebensächlich zu sein.

Zurück zur Freien Presse: Die kleine blau unterlegte Nonsens-Kolumne, die im Schwarzenberger Lokalteil von einer gewissen „Lore“ verfasst wird, zeigte sich in dieser Woche wieder von ihrer primitivsten Seite. Am Mittwoch etwa meinte sie, sich über den Begriff „zeitnah“ lustig machen zu müssen, dass ihrer Meinung nach „aus den alten Bundesländern  zu uns schwappte“. Nur komisch, dass das Wort bereits in den 70er Jahren im DDR-Duden auftaucht. Aber das ist offenbar nicht so wichtig bei dem Bemühen, seine tägliche Portion Unsinn abzuliefern. Noch unter das ekelhafteste Stammtischniveau glitt „Lore“ dann Freitag ab, als sie sich auf widerlichste Weise anmaßte, über Nadja Benaissa und die Deutsche Aidshilfe zu urteilen. Sicher, fast alles lässt sich mit Presse-, Meinungs- und künstlerischer Freiheit  verteidigen, aber selbst in notorisch niveaulosen Kolumnen wie jener von „Lore“ in der Heimatzeitung geht man zu weit, wenn man die mit dem HI-Virus infizierte Mutter eines Kindes als „Teufels-Nadja“ und „loses Luder“ beschimpft, das „ihrem Freund also eine Ladung Aids verpasst“. Das ist unterste Schublade – selbst für die Freie Presse.

Nahezu mitleidige Gefühle kommen auf, wenn man den heutigen Blogpost des Leser-Obmanns Oldeweme betrachtet. Der muss sich nämlich mit dem konservativen Geschmack einiger LeserInnen der Heimatzeitung herumschlagen. Dort meldet sich heute im Leserforum ein Reiner Künzel zu Wort, der die regelmäßig im Kulturteil der Freien Presse erscheinenden Gedichte der Woche “trotz aller Toleranz” (die in diesem Fall nicht sehr groß sein dürfte) als “haarsträubend und nicht zumutbar” einschätzt und damit einer 82 Jahre alten Obmann-Anruferin “wie aus der Seele” schreibt. Eine dritte Seelenverwandte gab gar zu erkennen, dass sich der Sinn der Gedichte “wenn überhaupt, nur nach wiederholtem Lesen” offenbare. Als Leser-Obmann lässt sich da selbstverständlich kaum widersprechen, die Leserschaft will ja bei Laune gehalten werden. Als Erzgebirgszentralorgan-Blog hat man da andere Möglichkeiten. Also, ihr Kunstbanausen: Macht um alles, was ihr nicht kennt (vor allem moderne Kunst jeglicher Art) einen großen Bogen, meidet, was ihr zum Verstehen mehrfach lesen oder betrachten müsst und schaut am besten immer mal wieder auf den Glückwunschseiten der Heimatzeitung vorbei. Dort findet sich dann auch für den konservativsten Reimfan ein leicht zu verstehendes “Guten Morgen und Hurra, die Tante Erika wird heute 50 Jahr’. Das ist für jeden zu verstehen und ein Klassiker der erzgebirgischen Glückwunschpoesie allemal.

Leser-Obmann schreibt zurück

Vier Tage nach unserer Anfrage an den Leser-Obmann erreichte uns heute “nach Rücksprache mit Chefredakteur Torsten Kleditzsch” dessen Antwort. Die Erklärung für Stephan Lorenz’ vermeintliches Plagiat ist demnach, dass man den sonst üblichen Zusatz am Ende eines Artikels, der auf eine Nachrichtenagentur als Quelle hinweist (in diesem Fall “mit afp”), aus nicht näher erläuterten Gründen weggelassen hat. “Das war ein Fehler”, heißt es dazu selbstkritisch und weiter:  “Es würde uns freuen, wenn Sie das in Ihrem Blog so wiedergeben.” – An dieser Stelle ein Gruß an alle mitlesenden Freie-Presse-Redakteure!

Schließlich sei noch festgehalten, dass man bei der Heimatzeitung Wert darauf legt, “kein Zentralorgan” zu sein, “sondern ein Zeitung, die von Menschen gemacht wird. Und Menschen machen Fehler.” – Nun wissen wir bescheid.

Leser-Obmann (2)

Soeben ist ein Chat mit dem neuen Leser-Obmann Oldeweme und Freie-Presse-Chefredakteur Kleditzsch zu Ende gegangen (Chat-Protokoll). Offenbar hatte sich Ersterer eher auf eine äußerst ruhige Zeit eingestellt, denn die Resonanz auf den Obmann-Service (20 Anrufe und “ebenso viele Mails”) habe ihn “echt überwältigt”. Betrachtet man die reinen Zahlen (40 Anrufern und Email-Schreibern stehen 700.00o Leser gegenüber), dürfte sich die Überwältigung für alle anderen allerdings in Grenzen halten.

Bleibt zu hoffen dass er sich nicht zu viel vorgenommen hat, denn “weil mir vor lauter telefonieren der Kopf raucht”, musste er das Aktualisieren seines Blogs (mit bislang einem Beitag) schon schleifen lassen. “Ich freue mich wirklich darauf, aber mein Kopf”, meint er. “Sie verstehen schon, von meinen glühenden Ohren ganz zu schweigen.”

Verständlich, dass er sich mit unserer Frage von vorgestern noch nicht befassen konnte.

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