Druckfehler tauchen in der Heimatzeitung ja immer mal wieder auf und werden gerne mit Argumenten wie „Zeitdruck“ oder „Redakteure sind auch nur Menschen“ erklärt. Mitunter sind die Fehler aber so auffällig, dass man nicht glauben kann, dass irgendein halbwegs des Lesens mächtiger Verantwortlicher vor der Veröffentlichung noch einmal über die Texte fliegt.
Auf der Seite „Zeitgeschehen“ macht Jutta Lietsch heute den Versuch, ihre Leser über die Situation in Nordkorea aufzuklären und titelt (bzw. lässt von irgendeinem Freie-Presse-Redakteur titeln):
Geheimnisvolles Parteitreffen in Nordkorea: In der Geschichte der Partei soll „ein bedeutendes Kapitel“ geschrieben werden – Gerüchte sprechen von einem bevorstehenden Aufstieg des Sohnes von Kim Il-sung
Dummerweise ist Kim Il-sungs Nachfolge aber schon seit 1994 geregelt, als dieser starb und dessen Sohn Kim Jong-Il die Staatsführung übernahm. Dieser wiederum ist auf dem Foto zum Artikel zu sehen, das laut Freie Presse „Kim Il-sung im März 2009“ zeigt, was aus Gründen der Pietät glücklicherweise nicht tatsächlich der Fall ist. Zur Ehrenrettung der Heimatzeitung muss gesagt werden, dass immerhin im Artikeltext das Richtige steht, nämlich dass Kim Jong-Il, Sohn von Kim Il-sung, seinen eigenen Sohn Kim Jong-un auf einen exponierten Posten innerhalb der Partei befördern wird.
Geradezu peinlich wirkt der abschließende Satz des Artikels:
So berichtete ein Kader im vertraulichen Gespräch mit der „Freien Presse“ von seinen Erfahrungen: Er habe sehr viele zornige
Landsleute getroffen, die sich über „Ungerechtigkeit und Korruption“ beklagten.
Dem Leser der Heimatzeitung wird suggeriert, dass hier ein jemand höchst konspirativ direkt mit der Freien Presse in Verbindung steht. Dabei ist Jutta Lietsch freie Redakteurin und hat ihren Text auch an andere Zeitungen verkauft. So liest man dann etwa bei der Österreichischen Zeitung “Die Presse“:
So berichtete ein Kader der „Presse“ von seinen Erfahrungen
Und “Der Westen” schreibt:
So berichtete ein Kader dieser Zeitung von seinen Erfahrungen
Und da soll man sich nicht verkohlt vorkommen…
